DSGVO Kopplungsverbot im Emailmarketing

Deutschland ist gelähmt vom Corona-Virus und mein erster Beitrag geht um Freebees? Sicherlich denken Sie, ob mir nichts besseres eingefallen ist. Doch aktuell sehe ich viele Unternehmen die versuchen, vermehrt mit echten und angeblichen “Unterstützungsgeschenken” den armen und gebeutelten Unternehmen zu helfen, die durch die Krise betroffen sind. Natürlich nur, wenn man sich zum Newsletter anmeldet oder sonst wie registriert. Alles uneigennützig versteht sich.

Leadgewinnung durch Freebees?

Damit es Ihnen als Gastgeber nicht genauso geht, wie den oben erwähnten Samaritern, möchte ich daher auf die Problematik eingehen, die mit Freebees und Email-Marketing zu tun haben. Denn sicherlich haben Sie einen oder planen einen Newsletter zu starten.

Das Ziel eines jeden Gastgebers, der sich die Mühe macht einen Newsletter ins Leben zu rufen ist: viele Abonnenten zu gewinnen. Schließlich macht es wenig Spaß, einen aufwendigen Newsletter zu schreiben, wenn nur 5 Adressen im Verteiler sind. Doch wie genau bekommen Sie viele potenzielle Gäste in den Newsletterverteiler? Antwort: Freebee!

Was ein Freebee alles sein kann

Ein Freebee ist eine kostenfreie Herausgabe einer Sache, die den zukünftigen Abonnenten davon überzeugen soll, sich dem Newsletter anzuschließen. Meist werden dafür digitale Dinge verwendet, die gleich per Email versandt werden können, wie:

  • Whitepaper zu einem bestimmten Thema
  • Zugang zu einem besonders geschützten Infobereich
  • Teilnahme an einem Online-Seminar
  • Erhalt eines kleinen (Mini-)Ebooks
  • Eine Checkliste (“Was Sie für den Strandurlaub alles brauchen”)
  • Eine Infografik oder dergleichen

Sie können aber auch ein physisches Produkt versenden. Eine Landkarte oder ein schönes Poster vom Urlaubsort. Letztlich ist es eine Preisfrage. Wie viel ist ein zukünftiger Gast als “zahlender Kunde” wert?

Rechtliche Betrachtung des Freebee

Das Freebee, egal was es letztlich ist, stellt einen Wert dar. Auch dann, wenn Sie es kostenfrei zur Verfügung stellen. Kostenfrei aber eben nicht unverbindlich! Und da liegt der Hase im Pfeffer. Sie möchten im Tausch für das Freebee die Emailadresse des potenziellen Gastes haben, um ihn dann möglichst oft mit Werbung zu versorgen. Schließlich ist nichts im Leben wirklich umsonst. Pustekuchen. Genau das will der Gesetzgeber verhindern. Der Gesetzgeber sieht in der kostenfreien Zurverfügungstellung eine Dienstleistung und somit einen Vertrag. Auch eine Schenkung ist genau genommen, eben genau das: ein Vertrag.

Das Kopplungsverbot

Warum aber sieht der Gesetzgeber das so eng? In der Vergangenheit wurde es übertrieben. Man hat ein Produkt gekauft und anschließend Werbung bekommen. Aber eben nicht unbedingt in Ergänzung oder in ähnlicher Form wie das erste gekaufte Produkt, sondern irgendwas anderes. Warum dieser Umstand uns heute nützt, erzählen wir gleich.

Der Gesetzgeber möchte Klarheit schaffen. Email (also Werbeeinwilligung) gegen Freebee könnte Klarheit sein; könnte man meinen. Aber nein. Ohne rechtlich zu technisch zu werden und die Paragraphen zu zitieren, möchte ich nur kurz auf die Gefahrenlage hinweisen. Es ist keine gute Idee, das Freebee anzubieten und dem Kunden die Email dafür abzuverlangen! WICHTIG !!!!

Wie also vorgehen?

Da das Freebee eine kostenfreie (vertragliche) Dienstleistung darstellt, ist der Empfänger automatisch ein (Vertrags-)Kunde geworden. Wir nutzen die Email natürlich zur Zustellung des Freebees, aber zukünftig nicht für irgendeine Werbung. “Irgendeine”! Auch hier möchte ich nicht zu juristisch werden. Aber statt der DSVGO, greift das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Denn: einem bestehenden Kunden (!) kann man gleiche oder ähnliche Produkte jederzeit wieder anbieten. Gleiche und ähnliche!

Ja, es gibt hier viele !!!!! im Text. Aber es ist auch mächtig wichtig, hier die entsprechenden Stellen kenntlich zu machen. Darum bitte weiterhin aufpassen.

Wo waren wir? Ähnliche oder gleiche Produkte anbieten. Hat der zukünftige Gast also sein Freebee bekommen, wird er in dieser und in jeder anderen Email die er zukünftig mit gleichen oder ähnlichen Produkten bekommt, auf die Speicherung seiner Daten und die Möglichkeit diese löschen lassen zu können, hingewiesen.

Beispiel:

“Laden Sie sich hier kostenfrei und unverbindlich das E-Book “7 Tipps für günstigen Urlaub im Schwarzwald” herunter.” Weiter unten steht dann noch sowas wie: “Ihre Daten werden bei uns EDV-technisch erfasst und gespeichert. Der Verwendung Ihrer Email kann jederzeit formlos an gastgeber@beispielgastegeber.net oder in jeder versendeten Email per Abmeldelink widersprochen werden. Näheres finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen (mit Link dorthin)”.

Erst Freebee und dann Newsletter

Der Bestandskundentrick

Sie wissen sicherlich, dass wir ohne Double-Opt-in (ja wirklich) ein Freebee anbieten könnten, wenn wir den Interessenten auf die Speicherung seiner Daten als “Kunde” hinweisen und die Löschung seiner Daten jederzeit kostenfrei anbieten. Er bekommt also sein Freebee und ist rechtlich gesehen ein Kunde, dem wir ab dann gleiche und ähnliche Produkte anbieten können.

Aber Vorsicht: Jemanden der ein E-Book über die Region bekommt, kann man noch nicht im Nachgang einen Urlaubsdeal anbieten! Darum machen wir jetzt den Sprung zum Newsletter!

Der Newsletter könnte so ein gleiches oder ähnliches Produkt sein, wie es das Freebee war. In der zweiten Email bedanken wir uns für das Interesse am Freebee (siehe Beispiel oben) und stellen in Aussicht, das wir regelmäßig immer wieder mal Interessantes an unsere Newsletter Abonnenten versenden. Wenn Interesse bestünde, könne sich der Freebee Nutzer nun hierzu eintragen. Jetzt aber mit Double-Opt-in !!!

In der Double-Opt-In Email wird nun klar und verständlich (gemäß DSVGO) klargestellt, das der Newsletter eine Form der Werbung darstellt. Erst dann, wenn der Interessent sich dazu bereit erklärt hat, wird ihm in den kommenden Newslettern alles angeboten, womit sich Geld machen lässt. Das kann dann auch ein Buch über die Region sein, das per Affiliantelink über Amazon beworben wird. Jetzt geht alles!

Beispiel für so eine Email, die als ähnliches Produkt den Newsletter anbietet:

“Lieber XYZ,

schön das Sie sich unser E-Book “die 7 Tipps zum günstigen Urlaub im Schwarzwald” heruntergeladen haben. Wir hoffen, er hat Ihnen gut gefallen und hilft Ihnen bei der Planung Ihres nächsten Urlaubs.

In regelmäßigen Abständen schreiben meine Frau Helga und ich immer wieder mal interessante Tipps rund um Urlaub im Schwarzwald für unsere Gäste und alle die es einmal werden möchten. Wenn Sie daran Interesse haben, tragen Sie sich gern über diesen LINK in unseren Newsletter ein.

Wir würden uns freuen in Kontakt zu bleiben.

Ihre Fritz & Helga

PS: Sie können der Verwendung Ihrer Email und der Speicherung Ihrer Daten in unserer EDV jederzeit durch einen Klick auf diesen LINK widersprechen, oder eine formlose Email senden an: gastgeber@beispielgastgeber.net”

Ohne Druck zum Zugeständnis

Auf diese Art bieten Sie dem Interessenten ein Freebee an, ohne das er sofort zukünftigen Werbesendungen zustimmen muss. Es ist noch nicht mal ein Double-Opt-In nötig, was die Chance auf die Freigabe der Email erhöht.

Wenn das Freebee gut gemacht ist und es sich für den Interessenten gelohnt hat, wird er mehr erfahren wollen. Die Chance steigt, das der einmal registrierte Interessent auch dem Newsletter zustimmt. Das Double-Opt-In, was oftmals ein Killer in der Conversionrate ist, wird verbessert. Ist das Freebee wertlos gewesen, wird auch keine Newsletteranmeldung stattfinden.

Raus aus dem Junkmail / Spam Ordner

Was viele Gastgeber nicht wissen ist, dass Mailprovider wie Gmail, Telekom, 1&1 und dergleichen genau schauen, ob eine Email aus dem Spamordner in den Posteingang verschoben oder zumindest geöffnet wurde.

Da der Interessent ja auf sein Freebee wartet, sucht er es und öffnet die Mail. Zukünftige Mails von Ihnen, kommen nun mit einer höheren Wahrscheinlichkeit direkt im Posteingang an. So auch das Double-Opt-In und die Newsletter selbst. Im Hintergrund werden Sie bei den Mailprovidern zusätzlich mit jeder versendeten Email vertrauenswürdiger. Und irgendwann sind alle Ihre Emails direkt in den Posteingangsfächern aller Ihrer Interessenten.

Was tun, wenn dem Newsletter nicht zugestimmt wird?

Da Sie ja in aller Seelenruhe immer weiter ähnliche und gleiche “Produkte” anbieten können, wie schon vorher, versenden Sie einfach noch ein paar vertrautenaufbauende Freebees. Und wenn der Interessent dann von Ihnen überzeugt ist, kommt der Newsletter eben nochmal dran. Und sollte der Interessent dann immer noch keine Lust auf Ihr Hotel bekommen haben, ist es möglicherweise eh nicht der richtige zukünftige Gast.

Fazit:

1.) Das Freebee ist ein Vertrag zwischen Ihnen und dem zukünftigen Gast.
2.) Auch dann, wenn es gratis ist.
3.) Sie müssen den Kunden über die Speicherung der Daten informieren.
4.) Sie müssen ihm jedesmal (mit jeder Email) die Chance zur Löschung seiner Daten geben.
5.) Zukünftige Emails müssen dem Ursprungsprodukt gleich oder ähnlich sein. Zum oben genannten Beispiel könnte man dann eine Checkliste versenden, die Ferienzeiten mit hohen und niedrigen Preisen beinhaltet. So wird kein Urlaub direkt beworben.
6.) Erst nach dem Freebee kommt der Pitch zur Newsletteranmeldung
7.) Newsletteranmeldung zwingend mit Double-Opt-in

Mehr Infos gefällig?

Möchten Sie mehr über dieses Thema erfahren? Ich lade Sie ein, mich persönlich kennen zu lernen. In einem kostenfreien und unverbindlichen Kennenlern-Telefonat können Sie mir verraten, was Sie genau an diesem Thema fasziniert und wie Sie das Wissen in Ihrem Betrieb einsetzen möchten. Gern gebe ich dann dazu weitere Tipps zur Umsetzung.

Abschließender Hinweis: Dies soll und kann keine Rechtsberatung darstellen, ersetzt nicht die Konsultation eines Anwalts und dient lediglich dazu, sich einen ersten Überblick über die Thematik zu machen.

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