Was Sie über Metasuchmaschinen wissen sollten

Google kennen Sie, Yahoo und Bing auch. Früher gab es mal sowas wie Lycos, Altavista oder Fireball. Diese Namen sind irgendwie unvergessen. Heute tauchen dazu noch Namen wie Trivago, Kayak und Trip Advisor auf. Aber sind das wirklich Suchmaschinen? Trip Advisor ist doch sowas wie ein Bewertungsportal, oder nicht?

ES GIBT EBEN MEHR ALS GOOGLE

Die Antwort lautet Ja und Nein zugleich. Wenn Sie versuchen Ihre Ferien- oder Hotelimmobilie online zu bewerben, dann sollten Sie neben Google noch die andere Art von Suchmaschine kennen: Die Metasuchmaschinen oder Meta Search Engines, wie es im Neudeutsch heißt.

Aber was ist eine Metasuchmaschine eigentlich?

Man kann es sich so vorstellen, das eine Meta Suchmaschine nicht aus dem eigenen Bestand die Suchergebnisse liefert, sondern aus dem Bestand mehrerer Suchmaschinen. Sie hat, wie Google auch, einen entsprechenden Algorithmus und zeigt das (ihrer Meinung nach) relevanteste Ergebnis an.

Nun gibt es im Tourismus die eben schon erwähnten Anbieter. Diese vergleichen z.B. die Ergebnisse von Buchungsmaschinen, wie es bei Trivago der Fall ist. Wenn man hier einen Ort und ein Datum einträgt, durchsucht Trivago die wichtigsten Unterkunftsportale und Buchungsmaschinen wie Booking, HRS oder Expedia.

Trivago

Schauen wir uns die wohl wichtigste Metasuchmaschine im Tourismus einmal genauer an. Zumindest in Deutschland. Bei Trivago werden mehr als 2,5 Mio Hotels und andere Unterkünfte (auch Ferienwohnungen) miteinander verglichen. Auch wenn Trivago die Hotels als deren zentrale Kundenbasis sieht, so ist es durchaus auch für Ferienhausbesitzer von Interesse. Trivago gehört heute zum Konzern von Expedia und ist dadurch international vernetzt. Diese Erfahrung macht sich bezahlt. Hinter Trivago sitzen mittlerweile mehr als 1600 Mitarbeiter, die nichts anderes machen, als Urlaubssuchende mit der richtigen Unterkunft zu verbinden. Warum also nicht diese Quelle anzapfen?

Trivago verdient sein Geld mit zwei Dingen. Einmal lässt es sich von den Portalen wie booking.de dafür bezahlen, die Suchergebnisse an dieses oder andere Portale weiterzuleiten. Und die andere Zielgruppe sind die Gastgeber. Auch denen bietet Trivago Infos und weitergeleitete Interessenten gegen Geld an.

Wie genau funktioniert Trivago?

Die Suchmaschine durchforstet die wichtigsten Buchungsmaschinen und wirft die entsprechenden Suchergebnisse aus. Die Kernaussage von Trivago ist, das der Suchende nicht nur ein Ergebnis, sondern viele Ergebnisse bekommt und somit immer die günstigste Auswahl angezeigt bekommt. Das stimmt natürlich nur bedingt. Denn wenn man als Gastgeber ein günstigeres Angebot auf seiner eigenen Homepage hat und man nicht bereit ist, Trivago für die Weiterleitung zu bezahlen, bekommt der Suchende auch nicht das beste Angebot zu sehen. Man sieht das X-beste Angebot von dem Portal, das Trivago entsprechend bereit ist zu bezahlen. Sehen wir uns das ganze einmal an:

Screenshot von Trivago auf richardbolte.com

Hier haben wir eine Suchanfrage für Bremerhaven für den Zeitraum 12.-14.03.2021 für ein Doppelzimmer im Hotel gestellt. Die ersten beiden Ergebnisse zeigen deutlich den Unterschied zwischen Drittanbietern und dem Homepageangebot. Während sich das Best Western “nur” über seine Werbepartnerschaft der Franchisekette verlinken lässt und die Chance zur Buchung (trotz massivem Preisunterschied) an TUI vergibt, macht das zweite Hotel es richtiger. Hier wird im prominenten grünen Kasten das Angebot des Hotels gezeigt.

Nun könnte man sagen: “Die Kunden buchen doch nicht bei TUI, wenn der Preis so ein Unterschied ist”. Sicher nicht ganz unrichtig. Aber warum macht TUI das dann? TUI bezahlt für diese Werbung ja nicht aus Jux und Dollerei. Dahinter steckt ein System. Die Neugier der Leute, die prominente Platzierung und die ergänzenden Infos (kostenlose Stornierung, Frühstück inklusive und der Gesamtpreis – alles nur im grünen Kasten zu sehen!) sorgen für eine gewisse Anzahl von Klicks. Und schon sind die Gäste weg. Sie sind auf dem Portal von TUI und finden dort keinen Vergleich mehr. Nur noch die Infos von TUI. Und dann ist es TUI egal, welches Hotel gebucht wird. TUI gewinnt immer (auf der eigenen Seite).

Weiter unten habe ich nochmal das Hotel Atlantic Sail City Bremerhaven markiert. Die Preisunterschiede sind mit einem Euro gering, aber das Hotel selbst ist nicht buchbar. Das Atlantic Sail City dürfte bei einer Buchung demnach zwischen 12% und 15% an die entsprechenden Portale zahlen. Bei zwei Nächten zu 156,00 Euro also rund 40,00 Euro. Schauen wir uns dazu mal die Preise auf deren Homepage an:

Screenshot Sail City Hotel Bremerhaven auf richardbolte.com

Hier kostet der Aufenthalt nun 294,00 Euro statt 312,00 Euro. Das Hotel hätte bei durchschnittlich 40,00 Euro Provisionsersparnis und 18,00 Euro weniger Umsatz durch den Preisunterschied immer noch rund 22,00 Euro gewonnen.

Lohnt es sich Trivago zu bezahlen?

Das hängt natürlich von mehreren Faktoren ab. Zum einen berechnet Trivago einen sehr hohen Preis für den Zugang zum internen Bereich und möchte für jeden Klick einen entsprechenden Betrag erhalten. So können schon mal Tausend Euro und mehr pro Jahr heraus kommen. Wenn man nur eine Ferienwohnung hat, die an weniger als 200 Tagen vermietet ist und pro Nacht nur 45,- Euro einbringt, dürfte sich die Frage wohl erledigt haben. Bei 200+ Tagen, 100+ Euro pro Nacht und einem sehr hohen Anteil an Buchungen über provisionspflichtige Seiten die 10-25% pro Buchung verlangen, sieht die Welt schon anders aus. Entsprechend gestaltet es sich, wenn mehr als eine Unterkunft vorhanden ist.

Wenn wir vom obigen Modell ausgehen und einen durchschnittlichen “Gewinn” von 22,00 Euro in Anrechnung bringen, müsste das Hotel bei einem Jahrespreis (für Trivago) von rund 1.000,00 Euro schon über 45 Buchungen (á 2 Nächte) generieren. Rechnet man die kleine Gebühr pro Buchung dazu, liegt man bei ca. 60-65 solcher Buchungen. Bei einem 120 Zimmerhotel mit 70+% Auslastung und somit ca. 30.000 Übernachtungen scheint es machbar und sollte mit spitzem Bleistift nachgerechnet werden.

Da die Preise bei Trivago nach Anzahl der Zimmer kalkuliert werden und die obige Berechnung nur Symbolcharakter haben kann, sollte man die Rechnung für sich selbst aufmachen und sich bei Trivago ein Angebot einholen. In der Hotelbranche werden in der Spitze bis zu zwei Drittel aller Buchungen über Onlinemedien generiert, meist ist ein Drittel die Regel. Das bedeutet ein sehr hoher Anteil der Buchungen ist provisionspflichtig. Hier gibt es keine wahren Alternativen, bei denen man einen jährlichen Anzeigenpreis bezahlt und dafür “Traffic” auf seine Buchungsseite bekommt, wie das in der Ferienhauswelt noch machbar ist. Somit stellt Trivago eine berechtigte Alternative dar.

KAYAK und andere Metasuchmaschinen

Ich habe Ihnen Trivago zuerst vorgestellt, weil sie dort noch direkt Zugang bekommen. Bei Kayak und anderen Plattformen läuft das heute nicht mehr so. Konnte man sich 2019 bei Kayak noch registrieren und ein Profil anlegen, ist die Seite heute nur noch über Schnittstellensoftware zugänglich. Über Anbieter wie travelclick.com (Teil der Amadeus Gruppe) kann man seine Unterkunft an bis zu 11 verschiedene Portale anbinden und sich bei der Provision unterschiedlich entscheiden. Von einer Provision bis hin zu den CPC (Cost per Click) Modellen. Sicherlich nichts für Ferienhausbetreiber, aber für Hotels eine spannende Sache.

Preise über booking.de anzeigen

Für Ferienhausbesitzer und kleinere Hotels gibt es aber einen Umweg. Es gibt diesen Text auf der Seite zu finden:

“Damit Preise und Informationen zu Ihrem Eintrag auf KAYAK angezeigt werden können, muss Ihr Haus bei einem Online-Reisebüro (z.B. Booking.com) oder einer Buchungsplattform (z.B WIHP oder Travelclick) gelistet sein. Wenn eine Buchung bei einem Anbieter möglich ist, der mit KAYAK zusammenarbeitet, können wir die Preise ihrer Ferienunterkunft anzeigen.”

Somit haben Sie zwar keinen Einfluss auf die zu zahlende Provision, sind aber zumindest über einen Drittanbieter mit im Boot der Vergleichbarkeit.

Trip Advisor

Die Grundidee war einfach und ist genial bis zum heutigen Tage. Vertraue nicht dem Gastgeber, sondern den Gästen. Buche nur da, wo andere sagen das es sich lohnt und was andere weiterempfehlen. Mit dieser Devise ist Trip Advisor groß geworden. Viele haben dieses Modell erfolgreich kopiert, wie in Deutschland Holiday Check. Im Rahmen dieses Artikels geht es aber um die Funktion als Metasuchmaschine. Trip Advisor gehört indirekt, wie Trivago auch, zum Expedia Konzern. 2011 wurde es zwar durch Aktienumwandlungen in die Selbstständigkeit geführt, aber die Zusammenarbeit mit Expedia ist deutlich zu sehen.

Trip Advisor ist als Metasuchmaschine deswegen gerade für Ferienimmobilienbesitzer von Interesse, weil diese Suchmaschine die Ferienwohnungen als eine der Zielgruppen für sich entdeckt hat. Findet man bei den anderen beiden entweder einen Fokus auf Flüge oder Hotels, so ist im Hauptmenü von Trip Advisor die Ferienwohnung prominent platziert.

Fazit:

Neben Buchungsportalen, der Buchbarkeit auf der eigenen Seite und der Partnerschaft mit Reisebüros, welche immer mehr selbst zu Online-Reisebüros werden, sind Metasuchmaschinen ein weiterer Baustein im Onlinemarketing. Wer zu klein ist kann den Vorteil fast nicht ausspielen und muss seine Vorteile über die Partnerschaften mit großen Portalen nutzen. Ab einer gewissen Größe und entsprechend guter Software auf der eigenen Homepage ist eine direkte Zusammenarbeit durchaus sinnvoll. Die Kosten wirken teilweise sehr hoch. Um zu sehen, ob es sich wirklich lohnt, muss man ein Jahr mitmachen und die Zahlen genau analysieren. Aber hat man einmal verlässliche Zahlen, ist es entweder ein richtig guter Kanal oder eine gute Erfahrung gewesen. Beides hat seinen Wert.

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