Blogging-Tipps: Warum lesen so wenige Ihren Hotel oder Gastro-Blog?

Die häufigsten Gründe, warum niemand Ihren Blog beachtet

Einen Blog für Ihr Hotel, Ihren gastronomischen Betrieb oder sogar für Ihre Ferienwohnung zu erstellen ist grundsätzlich eine gute Idee. Die meisten „Jung-Blogger“ haben jedoch eine falsche Erwartungshaltung, wenn es um die zukünftigen Leser geht. Nur weil man einen tollen und informativen Artikel schreibt, bedeutet dies noch lange nicht, dass auch gleich tausend Leser jubelend Kommentare hinterlassen. Im Internet werden täglich hunderte neue Artikel geschrieben. Allein über die Bloggingsoftware WordPress, die ich auch nutze, werden jeden Monat (weltweit) über 75 Mio Artikel veröffentlicht (Quelle: Statista). Das ist schon eine ganze Menge. Um da mitzuhalten gibt es nur eine Lösung:

Hochwertige Inhalte

Schon 1996 hat Bill Gates, der Gründer von Microsoft, von der Wichtigkeit hochwertiger Inhalte gesprochen. Es dürfte also jedem klar sein, dass man Lesern etwas geben muss, mit dem sie etwas anfangen können. Aber was genau soll das sein?

Während man auf den sozialen Netzwerken unterschiedliche Ziele mit dem „Content“, also den Inhalten, verfolgt und bei Facebook hauptsächlich Entertainment anbieten sollte, ist es auf Business-Plattformen wie LinkedIn eher etwas sachliches. Was aber im eigenen Blog schreiben? Auch hier ist die Antwort einfach:

Lösen Sie Probleme – wecken Sie SehnsĂĽchte

Im Gastgewerbe können Sie, um hochwertige und relevante Inhalte für Ihre Zielgruppe zu erstellen zwei Wege gehen:

1.) Sie lösen ein Problem

2.) Sie wecken SehnsĂĽchte

Schauen wir uns das ganze einmal in aller Ruhe an.

Problemlösungsartikel

Die Klassiker sind Artikel rund um die Reise: wie komme ich zum Hotel? Was mache ich vor Ort? Ich reise mit einem Kind im Rollstuhl… Sie wissen woraus das hinaus läuft. Machen Sie sich Gedanken über alle möglichen Probleme und bieten Sie Lösungen an. Artikel wie diese sollten eher sachlich geschrieben sein. Geben Sie klare Hinweise und verweisen Sie ggf. auf weitere Quellen für mehr Infos.

Sehnsuchtsartikel

Wenn Sie einige Problemlösungsartikel geschrieben haben, werden Sie Überschneidungen feststellen. Die Frage: „Was mache ich vor Ort?“ kann auch aus der Perspektive „Das sollten Sie auf keinen Fall verpassen“ geschrieben werden. Machen Sie die Artikel spannend, vermitteln Sie Gefühle. Suggerieren Sie, wie es sich anfühlt zusammen mit dem Partner auf den Gipfel zu steigen und dort bei schönstem Sonnenlicht ein Picknick zu machen. Stellen Sie das Erlebnis in den Vordergrund.

Es geht leider nicht um Sie – noch nicht

Viele Gastgeber, die sich selbst um ihren Blog kümmern, verfallen zu schnell in die Verkaufsschiene. Mit jedem neuen Blogartikel wird versucht das passende Wochenendpaket gleich mit zu verkaufen. Me me me…

Machen Sie es anders. Selbstverständlich macht es Sinn, sich selbst als Gastgeber vorzustellen. Sei es als die Betreiberfamilie, die schon in der x-ten Generation die Stellung hält oder zum hundertsten Mal den Preis XYZ gewonnen hat. Ja, es macht sogar Sinn, hin und wieder einmal einen Artikel zu schreiben, um ein ganz spezielles Angebot zu pushen.

In erster Linie geht es aber um den Gast. Um seine BedĂĽrfnisse und darum, das dies von Suchmaschinen wie Google als FĂśR DEN SUCHENDEN als relevant eingestuft wird. Denn jetzt kommen wir langsam zum spannenden Punkt dieses Artikels!

Google sortiert aus

Wenn Sie nicht selbst irgendwelche Werbeaktionen schalten, um Ihren Blog in der groĂźen weiten Welt bekannt zu machen, werden Sie Besucher entweder ĂĽber Ihre sozialen Kanäle oder Suchmaschinen wie Google bekommen. Doch wie und warum zeigt Google & Co. Besuchern Ihre Seite ĂĽberhaupt? Google hat nur ein Ziel: das relevanteste Suchergebnis fĂĽr den Suchenden auszuspielen. Das ist der USP von Google. Alles dreht sich nur um dieses eine Ziel, um diese eine Frage: „Wie gut passt das Suchergebnis zur Suche?“ Kaum jemand wird nach einem Artikel suchen, der Ihre Familiengeschichte erzählt. Es sei denn Sie sind eine BerĂĽhmtheit. Schon kommen wir zur nächsten wichtigen Frage: „Was sucht Ihr Gast? – Welche Info fehlt ihm?“ Google wird dem Suchenden auf diese Fragen eine Antwort liefern. Dabei gibt es einen klaren Fokus auf dem WO. Google liefert hauptsächlich Antworten auf WO und WER. Wo finde ich… bzw. Wer bietet mir… Die WIE Fragen werden heute fast alle ĂĽber Videos auf YouTube beantwortet. Auf die Frage: „Wie falte ich Tischservietten?“ werden Sie hauptsächlich Videos finden.

Bloggen als Gastgeber – der Unterschied

Restaurants, Hotels, Ferienimmobilienvermieter aufgepasst – wir sind im „people business“

WĂĽrden Sie einen technischen Blog im Maschinenbau betreiben, wäre die Aufgabenstellung eine ganz andere, als sie es im Gastgewerbe ist. Wir mĂĽssen in unseren Artikeln immer eine menschliche Seite zeigen. Immer eine persönliche Note einbringen und empathisch sein. Als Gastgeber vor Ort haben Sie einen groĂźen Vorteil gegenĂĽber allen anderen Reiseseiten. Hier schreiben Sie! Hier schreibt die Chefin oder der Chef aus seiner oder ihrer Sicht. Wenn Sie von einem Ausflug zum örtlichen Strand schreiben oder vom Museumsbesuch, dann dĂĽrfen Sie nicht nur – dann mĂĽssen Sie sogar persönlich werden. Dies macht den groĂźen Unterschied zu anonymen Reiseseiten aus, die Pressetexte aus der Retorte ĂĽbernehmen und nicht mehr als nur ein schönes Pressebild zu bieten haben. Machen Sie ein Interview mit dem Museumsleiter oder der Bademeisterin, fragen Sie die Verantwortlichen nach Insiderwissen und machen Sie Fotos, die man sonst nirgends findet. Das wollen Ihre Gäste sehen und das wird Google den Gästen auch zeigen.

Storytelling im Gastgewerbe

Märchen fangen an mit „es war einmal…“ und Märchen erzählen eine Geschichte, in dem an sich hineinversetzen kann. Es gibt einen Bösewicht, einen Helden und eine Heldenreise die zum Happy End führt. Gute Märchen haben am Ende sogar einen Lernerfolg. Was das mit Ihrem Blog zu tun hat? Ganz einfach. Schreiben Sie Geschichten. Sie sind aller Wahrscheinlichkeit nach kein Journalist und sprechen die gleiche Sprache wie Ihre Gäste. Dieser Stil wird Ihr Vorteil sein, nicht Ihr Nachteil. Man kann dies immer gut mit der BILD Zeitung und der FAZ vergleichen. Wenn beide Zeitungen von dem Autounfall eines z.B. Industriellen berichten würden, würde bei der FAZ sowas stehen wie:

“Das Auto des Industriellen Petermann kam am Sonntagmorgen von der Fahrbahn ab und verunfallte…“

die BILD wĂĽrde schreiben:

“Es lag noch Nebel auf der Strasse, als am Sonntagmorgen das vollkommen zerstörte und ausgebrannte Auto des Industriemoguls Petermann von der Fahrbahn geschleudert wurde…“

Wenn Sie einen Sehnsuchtsartikel über ein neues Rezept in Ihrer Pizzeria schreiben, dann benennen Sie nicht nur die Zutaten. Schreiben Sie von Ihren Kindheitserinnerungen, vom Duft den Sie noch in der Nase haben, als Ihre damals 90-jährige Oma das Familienrezept nutzte, um Sie und Ihre Geschwister zu bekochen. Schreiben Sie von sonnengereiften Tomaten aus der Toskana und nicht vom Billigangebot des Supermarkts. Nehmen Sie Ihren Gast mit auf die Reise und geben Sie Tipps, wie man das Rezept so anwendet, dass auch seine Familie einen unvergesslichen Abend genießen wird. Machen sie den Gast zum Held und lassen sie ihn seine Heldenreise machen. Keine Sorge: wer sich den Stress nicht antun will und dann doch lieber auf Nummer sicher gehen möchte, kommt eh zu Ihnen. Besonders dann, wenn einem schon das Wasser im Mund zusammen läuft, wenn man sich vor seinem inneren Auge die frisch gebackene Pizza vorstellt, die die Oma gerade aus dem Ofen hervor holt.

Wie oft, wie lang wie aufwendig?

Schreiben Sie nicht nur, wenn Ihnen gerade danach ist. Einmal im Monat ist ein wenig dürftig. Einmal die Woche könnte mit Ihrem Betriebsablauf schwer zu vereinbaren sein, wenn Sie es alleine machen. Ein langer und ein kürzerer Artikel pro Monat wäre daher angemessen. Schließlich ist der Blog nur ein weiterer Baustein in Ihrem Marketingmix und nicht die Haupteinnahmequelle. Wäre dem so, könnte man auch einen Artikel am Tag erwarten. Erwartungshaltung ist ein gutes Stichwort. Was erwarten Ihre Gäste? Relevanz und hochwertig hatten wir als Schlagworte schon. Wie wäre es mit guten Bildern? Handys machen heute schon sehr gute Fotos. Pro Artikel dürfen es schon mal 3-5 Fotos sein. Bei einem kurzen Artikel reicht auch ein gutes oder zum Thema passendes Titelbild. Wie aufwendig Sie sein möchten, bleibt letztlich Ihnen überlassen. Hochwertig und relevant, persönlich und mit Storytelling muss nicht zwangsläufig auch aufwendig sein. Ein langer Artikel sollte hingegen schon um die 1.000 Wörter haben. Mehr ist besser. Ein kurzer Artikel kann auch mit 300-500 Wörtern ausreichend sein, wenn nur ein Teilbereich angesprochen werden soll.

Hauptproblem Nr. 1 – Aufschieberitis

Abschließend muss natürlich auch gesagt werden, dass es nicht mehr Besucher auf der Blogseite werden, wenn man nach den ersten fünf Artikeln keine Lust mehr hat. Dann schiebt man den nächsten Artikel vor sich her und kommt nicht weiter. Die Aufschieberitis gibt es auch beim bloggen. Da hilft nur Routine und ein fester Zeitplan. Was hilft, ist ein Versprechen an Ihre Gäste. Machen Sie es öffentlich: Jeden ersten Sonntag im Monat gibt es einen neuen Insidertipp von Ihnen. So oder so ähnlich könnten Sie sich selbst unter Druck setzen. Ein anderer Tipp ist, sich im Vorfeld einen Plan zu machen, über welche Themen man schreiben möchte. Gehen Ihnen irgendwann die Sehenswürdigkeiten aus, weichen Sie auf Veranstaltungen aus, die regelmäßig stattfinden. Brainstormen Sie mit Ihren Mitarbeitenden und Gästen gleichermaßen. Fragen Sie auf Facebook & Co. was sie gerne lesen möchten und schielen Sie ruhig mal auf die Konkurrenz. Dann haben Sie das Hauptproblem Nr. 1 schnell im Griff.

In diesem Sinne: viel Erfolg beim Bloggen als Gastgeber